


Anton Diabelli (1781 - 1858)
war ein österreichischer Komponist und Musikverleger.
Er wurde am 5. September 1781 in Mattsee geboren und starb am 8. April 1858 in Wien.
Diabelli war ein Schüler von Michael Haydn.
Auszug aus der Mattsee-Chronik
ANTON DIABELLI UND SEIN MUSIKALISCHES UMFELD
Leopold Kantner
Wie in allen kleineren oder grösseren Stiften des deutschsprachigen
Südens war auch in Mattsee der Musikpflege
im 18. und 19. Jahrhundert ein bedeutender Platz eingeräumt,
das Musikarchiv Mattsee macht dies eindrucks-
voll deutlich. Als hauptberuflich beamtete Musiker allerdings scheinen
in Mattsee, ausser den Organisten, nur
vier Personen auf, die so genannten Choralisten, welche
ein eigenes Haus bewohnten. Zieht.man andererseits die
Werke In Betracht, die In dieser Zelt zur Aufführung gelangt
waren, ergibt sich zwingend der Schluss, dass wohl
nur Stiftsangestellte, Bewohner von Mattsee, vielleicht
auch Kanoniker ihren Beitrag zur Musikpflege aktiv geleistet haben
(für andere Stifte, z.B. Schlierbach/Oö, ist
dieses Faktum belegbar). Einer der vier hauptberuflichen
Stiftsmusiker in der zweiten Hälfte ,des 18. Jahrhunderts
war der Vater Anton Diabellis, Nikolaus Diabelli. Im
damals noch bayerischen Aurolzmünster geboren, war
er eineinhalb Jahre Konventdiener, Musiker und Lehrer
im bayerischen Benediktinerstift Asbach, 1779 wechselte er nach
Mattsee und heiratete eine Musikertochter
aus Uttendorf. Von beiden Seiten also erblich musikalisch begabt,
hatte der am 5. September 1.781 geborene
Anton, wie so viele Komponisten, an seinem Vater den
ersten Musiklehrer. Im Alter von sieben Jahren aber
schickte der Vater den kleinen Anton als Singknabe nach
Michaelbeuern, von wo aus sehr bald ihn der Weg, wahrscheinlich
durch Michael Haydn, den häufigen Gast des
Stiftes, nach Salzburg ins erzbischöfliche Kapellhaus
führte. Nun lebte er sozusagen unter einem Dach mit seinem
verehrten Lehrer Michael Haydn, was zwar musikalisch für
Anton ausserordentlich ergiebig war, aber leider
keinen Einfluss auf die schulischen Erfolge hatte, wie die
Zeugnisse zeigen.
Auf Bitten des Mattseer Pfarrers und
des Vaters wurde der nunmehr Sechzehnjährige wieder,
1797, in Michaelbeuern in die Konventschule aufgenommen.
Das folgende Jahr ist durch Wanderschaft geprägt:
zuerst scheint er in den Registern des Wilhelmgymnasiums
in München auf, die schulischen Leistungen
gestalten diesen Aufenthalt bemerkenswert kurz: "Mehr
an Musik als an Wissenschaft interessiert"; noch 1798
aber treffen wir den nunmehrigen Frater Blasius Diabelli
im Zisterzienserstift Raitenhaslach. Aus diesen bewegten
Jahren sind uns die ersten Werke des jungen Komponisten
erhalten. Dürfte das op. 1, Sechs Messen und
Offertorien. noch die Frucht der Schülerschaft bei
Michael Haydn in Salzburg und Michaelbeuern sein. So
sind authentisch aus der Raitenhaslacherzeit ein
deutschsprachiger Hymnus" Komm. Heiliger Geist" und
eine Dialektcantate "Die Bürgermeisterwahl" erhalten.
Beide Stücke waren für den Musikbedarf des Stiftes
Raitenhaslach geschrieben. Wann und warum verliess
Diabelli Raitenhaslach. Um sich nach Wien zu wenden?
Fest steht. das nicht die Säkularisation des Stiftes Ursache
war, da Diabelli dieses nachweislich schon imAugust
1802 verlassen hatte. Möglicherweise waren Michael
Haydns Berufspläne ausschlaggebend: er stand ja mit
dem Fürsten Esterhazy in Verhandlung. als Kapellmeister
in seinen vorgerückten Jahren nach Eisenstadt zu über:
siedeln. und es erscheint gar nicht unwahrscheinlich, dass der Plan bestand.
Seinen Lieblingsschüler Diabelli
mitzunehmen. Um ihm dort eine musikalische Zukunft zu
ebnen. Nur. Haydn änderte nach einer halben Zusage an
Esterhazv. seine Pläne und blieb in Salzburg. Diabelli aber war bereits in Wien.
Auf alle Fälle hatte Michael,
Haydn ihn mit allen möglichen Empfehlungsschreiben
versehen. besonders an seinen Bruder Joseph. Mit
bemerkenswertem Geschick baute der knapp Zwanzig-
jährige seine Position als Klavier- und Gitarrenlehrer aus
(das letzte Instrument lernte er erst in Wien kennen!}.
und bald konnte er in Wiener Adelshäusern als Privatlehrer reüssieren.
Auch die Musikverleger witterten in
ihm einen Erfolg versprechenden Lieferanten, von 1806
an war er fest im Verlagshaus Chemische Druckerei des
Sigmund Anton Steiner eingebunden. Dies hatte aber zur
Folge. dass Diabelli sich nun stark auf das Terrain der,
Kammermusik. des Arrangements und der didaktischen
Klaviermusik begeben musste. Doch blieben die Nachwirkungen
der Schule Michael Haydns immerhin so
stark. dass er die "musica sacra" nicht aus den Augen
verlor. Nur. sein Verleger Steiner hatte dafür zunächst
taube Ohren. Nachdem Diabelli 1816 die Tochter eines,
fürstlich liechtensteinischen Tischlers und Hausmeisters
geheiratet hatte. schien ihm der Zeitpunkt gekommen zu
sein. sich als Verleger selbständig zu machen.
Damit aber ging die Freundschaft mit Steiner. der bei der Hoch-
zeit noch als Trauzeuge fungierte. jäh in die Brüche und
Steiner versäumte keine Gelegenheit. seinem ehemaligen
Mitarbeiter Prügel zwischen die Füsse zu werfen.
Kurzum. der Verlag "Anton Diabelli" florierte absolut
nicht. Diabelli zog die Konsequenz und assoziierte sein
Unternehmen mit dem Verlag Pietro Cappi zum nunmehrigen
Unternehmen "Cappi und Diabelli". Von nun an,
auch nachdem an die Stelle Cappis 1824Anton Spina getreten
war, war die Rollenverteilung für die folgenden
Jahrzehnte festgelegt: Diabelli war Hauskomponist und
Arrangeur, Cappi/Spina waren die (wie sich herausstellen
sollte) gerissenen Geschäftsleute, welche in kritischen
Situationen den ahnungslosen Diabelli ins Feuer
schickten (Schubert, Beethoven). Parallel zu den kompositorischen
Verpflichtungen als Verleger suchte Diabelli
neben der Kirchenmusik auch kurzzeitig Erfolg als
Opern- und Singspielkomponist -nur, er fand ihn nicht.
Der Misserfolg seiner Bühnenwerke ist ein Faktum, ob er
auf die Musik oder die Libretti zurückzuführen ist, geht
nicht einmal aus den zeitgenössischen Kriterien hervor.
Der heutige Betrachter wird ehrlicherweise zugestehen
müssen, dass zu seiner Zeit schwächere Werke mehr Erfolg
hatten. Diabelli wird in der Musikliteratur manches
mal als " Vielschreiber" deklassiert; sicherlich, die Zahl
der Arrangements und der didaktischen Klavierliteratur
ist beeindruckend (wenngleich nicht im entferntesten zu
messen an den drei- und viertausend Werken eines
Caldara oder Orlando di Lasso!). Aber, diese Werke waren
Pflichtkompositionen des Verlegers, sein Herz gehörte
der Kammermusik und vor allem der Kirchenmusik.
Hier war auch zu seinen Lebzeiten sein Ansehen sehr
hoch. Erst als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
die puristische Caecilianerbewegung alles, was nicht
Choral und Palestrina hiess, verdammte, wurde es auch
um Diabellis Kirchenmusik vorübergehend etwas stiller,
trotzdem erhielt die unverwüstliche Popularität seiner
Pastoralmesse etwa Diabellis Kirchenmusik unbekümmert um kritische Angriffe
an den Kirchenchören nicht
nur österreichs, sondern auch bis Holland und Brixen, lebendig.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lebte Diabelli in
Wien. Warum hat er nie die Orte seiner Geburt und
Jugendzeit aufgesucht? Wie es scheint, ist Diabelli
überhaupt kaum gereist, von kleinen Abstechern in die
Umgebung Wiens abgesehen. Der Abschied von seinem
Unternehmen verlief recht unromantisch: das Jahr 1848
war begreiflicherweise kein gutes Geschäftsjahr, die
Gelegenheit nützte sein Kompagnon Spina, um ihn mit
einer, man könnte sagen, windigen Geldsumme aus dem
Verlag hinauszukaufen. Als der nunmehr Siebzigjährige
erkannte, dass er der Betrogene war, war es bereits zu
spät. Lichtblicke in seinem Alter waren die Familienfeste
des nunmehrigen Grossvaters. Der kleine Peppi Greipl,
Sohn seinerTochter Antonia, durfte Gelegenheitskompositionen
des Grossvaters singen und für seinen Schwiegersohn
Josef Greipl, den Regenschori von St, Peter in
Wien, steuerte er Kirchenmusik bei, darunter einige
interessante Werke, So schliesst sich der Kreis des
Kirchenmusikers Diabelli vom Sohn des Stiftsmusikers in
Mattsee zum Schwiegervater des Wiener Chorregenten.
Dass für Diabelli Kirchenmusik eine Herzensangelegenheit
war, brachte er in einem Brief an den Abt von Lilienfeld
zum Ausdruck: "seit meiner frühesten Jugend ein
Verehrer der Jungfrau Maria ...mein langes vierundsiebzigjähriges
Leben nur der Tonkunst und vorzüglich
der Kirchenmusik weihte"
Abb.: Anton Diabelli (1781 - 1858) Portrait im Diabelli-Zimmer des
Stiftsmuseums (Foto: Hannes Maringer)
Drei Jahre später, am 8. Apri11858, verschied Diabelli in
Wien und wurde am St. Marxer Friedhof begraben. Sechzig Jahre seines
Lebens widmete er sich der Komposition
und kann als einer der bedeutendsten Komponisten des
musikalischen Biedermeier bezeichnet werden.
Literatur:
Kantner Leopold. Zum hundertsten Todestag: Anton Diabelli.
Ein Salzburger Komponist der Biedermeierzeit.
In: MGSLK 98. Salzburg 1958, S. 51-88.